Na prima. Wieso kann ich dann nicht einfach Quark essen und auf der Couch liegen?
Ich sag’s dir, wie es ist: Protein war für mich früher ungefähr so sexy wie Knieschoner. Brauchen bestimmt irgendwelche Leute.
Aber ich? Nö.
Protein, das waren doch diese Männer im Fitnessstudio, die nach dem Training ihren Shaker schütteln und dabei aussehen, als hätten sie gerade einen Kleinwagen gestemmt. Ich wollte ja einfach nur abnehmen. Also habe ich gemacht, was Frauen seit Jahrzehnten beigebracht wird: Weniger essen. Noch ein bisschen weniger.
Salat. Gemüse. Bloß nicht zu viel Käse. Und wenn der Hunger kam?
Tja.
Dann sollte man sich vermutlich zusammenreißen. Hat bei mir super funktioniert. Nämlich gar nicht. Denn irgendwann stehst du abends vor dem Kühlschrank.
Tür auf.
Reingucken.
Tür zu.
Drei Minuten später wieder Tür auf.
Als hätte sich in der Zwischenzeit vielleicht heimlich ein Käsekuchen materialisiert. Und natürlich hat man keinen Hunger. Man „guckt nur mal“.
Kennste?
Vielleicht bist du gar nicht verfressen. Das ist nämlich der Punkt, den ich heute so spannend finde. Wir Frauen sind verdammt schnell dabei, uns selbst die Schuld zu geben.
„Ich esse einfach zu viel.“
„Ich habe ständig Hunger.“
„Warum kann ich nicht einfach mal aufhören?“
„Ich hab mich einfach nicht im Griff.“
Und mein persönlicher Liebling:
„Andere schaffen das doch auch.“
Ja. Andere können auch häkeln. Hilft mir trotzdem nicht. Was ich irgendwann verstanden habe:
Wenn mein Essen mich nicht vernünftig satt macht, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn mein Kopf zwei Stunden später wieder anfängt, nach Essen zu suchen. Und da kommt Protein ins Spiel. Als ganz normales Essen. Protein kann nämlich mehr als Muckis. Unser Körper braucht Protein sowieso. Für Zellen, Hormone und Enzyme. Für Haut, Haare und Bindegewebe. Für das Immunsystem. Für Muskeln und Knochen. Und Protein spielt auch bei Sättigung und Blutzucker-Regulation eine Rolle. Das fand ich viel interessanter als die Muckis. Denn ganz ehrlich:
Wenn ich nach einer Mahlzeit satt und zufrieden bin und nicht 90 Minuten später anfange, gedanklich die Küchenschränke durchzugehen … das ist Lebensqualität. Und schöne Haare zu haben ist ja auch nett.

Wie viel Protein brauchst du?
Jetzt könnte ich dir natürlich eine komplizierte Tabelle hinzimmern. Machen wir nicht. Die oft genannten 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht sind eher die Unterkante, um einen Mangel zu vermeiden. In meiner Protein-Bibel nutze ich etwa 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht als guten Orientierungswert. Bei Sport, Stress oder beim Abnehmen ab 40 kann auch mehr sinnvoll sein. Aber bitte mach daraus jetzt keinen neuen Wettbewerb. Ich sehe dich sonst schon da sitzen:
„Tanja! Es ist 20:47 Uhr und mir fehlen noch 17 Gramm Protein!“
Nein. Bitte nicht. Es sind Richtwerte.
Wir wollten doch endlich weg von diesem ganzen Kontrollgedöns.
Ich stelle mir heute lieber eine einzige Frage wenn ich auf mein Essen gucke: Wo ist hier eigentlich mein Eiweiß? Mehr nicht. Da muss kein Taschenrechner neben dem Teller liegen.
Frühstückst du zum Beispiel nur irgendwas, das zwar nett aussieht, aber deinen Körper ungefähr so lange beeindruckt wie ein Reiswaffelchen bei Gegenwind?
Dann probier mal eine vernünftige Proteinquelle dazu. Eier. Skyr. Quark. Griechischer Joghurt. Mittags vielleicht Fisch, Hähnchen, Linsen, Tofu, Käse oder Bohnen.
Es geht nicht darum, Spezialprodukte zu kaufen. Im Gegenteil. In der Protein-Bibel habe ich deshalb auch ganz normale Proteinquellen gesammelt: Fleisch, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, Käse und Milchprodukte. Essen halt. Verrücktes Konzept, ich weiß. Und dann gibt’s da noch meinen „Salat war doch gesund!“-Moment.
Kennst du diese Mahlzeiten?
Riesige Schüssel Salat. Gurke. Tomate. Paprika.Noch ein bisschen Grünzeug. Du bist wahnsinnig stolz auf dich.
„Boah. Heute esse ich aber gesund.“
Zwei Stunden später könntest du einem fremden Kind das Butterbrot klauen. Vielleicht war der Salat nicht falsch. Vielleicht hat einfach was gefehlt. Feta zum Beispiel. Thunfisch. Edamame. Hüttenkäse. Oder eine andere Proteinquelle, die du gerne isst.
Das Gleiche beim Backofengemüse oder bei einer Suppe. Du musst nicht gleich dein ganzes Leben umbauen. Mach dein Essen einfach ein bisschen satter.Das ist ein Unterschied.
„Aber ich esse wenig Fleisch.“
Na und?
Protein kann auch pflanzlich. Interessante Hintergründe dazu findest du hier:
Übrigens: Viel Protein allein macht keinen knackigen Hintern. Auch das hätte ich gerne anders.
Ich hätte dann einfach Quark gegessen und auf der Couch gewartet. Protein liefert deinem Körper Baumaterial. Aber damit neue Muskulatur entsteht, braucht er auch einen Grund dafür. Protein ist das Baumaterial. Bewegung ist der Bauplan. Das finde ich ein gutes Bild. Du kannst schließlich auch 8.000 Ziegelsteine vor dein Haus kippen. Davon hast du noch keine Garage. Du hast erstmal nur ein Problem mit den Nachbarn.
Was ich daran heute am meisten mag?
Protein ist für mich keine neue Abnehmregel. Genau das soll es bitte nicht werden. Ich habe keine Lust mehr auf:
Montag fange ich an. Das darf ich nicht.
Davon nur 100 Gramm.
Heute war ich gut.
Heute war ich schlecht.
Morgen reiße ich mich wieder zusammen. Boah, ist das anstrengend.
Ich möchte lecker essen. Und satt sein. Ich möchte, dass es schmeckt. Noch Fragen?
Genau deshalb habe ich die Protein-Bibel für Frauen gemacht.
Darin findest du die ganzen Grundlagen nochmal einfach erklärt, natürliche Proteinquellen und pflanzliche Kombinationen. Und dann kommen die Rezepte. Nicht drei traurige Radieschen mit einem Klecks Magerquark. Sondern eine komplette High Protein Week mit konkreten Mahlzeiten – vegetarisch, mit Hähnchen, vegan, mit Fisch und für Allesesser. Plus meine selbstgekochte Hühnerknochenbrühe.
Also nicht nur lesen und denken: „Aha. Protein. Interessant.“ Sondern ausprobieren. Essen. Gucken, wie satt du bist. Und vielleicht irgendwann um 16:37 Uhr feststellen:
Huch. Ich habe heute Nachmittag ja noch gar nicht in der Küche herumgelungert. Das wäre doch mal was.
Hier findest du die Protein-Bibel für Frauen – inklusive der Rezepte. Und bitte denk dran:
Wir machen aus Protein jetzt nicht die nächste Diät-Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Wir wollen weniger Food Noise. Mehr Freiheit. Und Essen, das satt macht und trotzdem richtig lecker ist. Das reicht doch völlig.







